Wertkonflikte in Unternehmen
Eine erweiterte organisationstheoretische Analyse von Korruption
Samenvatting
Thematische Eingrenzung 1. 1 Einführung Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, innerorganisationale Institutionen als sinnvollen Ausgangspunkt einer soziologischen Analyse korruptiver Handlungen auf der organisationalen Ebene zu begründen. Ausschlaggebend dafür einen solchen Schwerpunkt zu legen, ist zum einen ein feststellbares Theoriedefizit hinsichtlich der Lokalisierung des Korruptionsphänomens überwiegend auf der Mesoebene sowie hinsichtlich der Einseitigkeit einer ökonomischen Perspektive korruptionsspezifischer Zusammenhänge. So kommen Rabl und Kühlmann in ihren jüngsten Untersuchungen zu dem Schluss, dass sich die Korruptionsf- schung „mainly concentrated on the investigation of causes and consequences on the macro- and microeconomic level“ (Rabl/Kühlmann 2008: 178). Zum anderen lässt sich in der öffentlichen Diskussion eine Veränderung der Verantwortun- zuschreibung wahrnehmen, bei der Wirtschaftsorganisationen ihr Handeln ins- sondere unter Integritätsgesichtspunkten verstärkt rechtfertigen müssen (vgl. Karmasin 2005; König 2005: 486ff. ; Leisinger 2005; Pies/Sass 2006). Unabh- gig davon, inwieweit es sich bei den Verantwortungszuschreibungen um legitime Ansprüche von Seiten der Zivilgesellschaft oder der Politik handelt, lässt sich konstatieren, dass Unternehmen verstärkt mit den Folgewirkungen ihres H- delns konfrontiert werden. Während über Jahrzehnte hinweg die Zuschreibung der Legitimität von Unternehmen aufgrund ihres Beitrags zu volkswirtschaft- chem Wachstum und gesellschaftlichem Wohlstand ausschließlich auf ihrem wirtschaftlichen Erfolg begründet war, treten in den letzten Jahren weitere Fak- ren hinzu, die die Frage nach dem Wie des erfolgreichen Wirtschaftens stellen. In Bezug auf die Korruptionsthematik stehen gerade multinationale Unternehmen aufgrund von veränderten Rahmenbedingungen vor der Herausforderung, ihren bislang praktizierten Umgang mit dem Thema neu zu überdenken.

